Wiesbadener Kurier 29.05.2015

Aktivisten wollen Legalisierung von Cannabis: Werben für Modellprojekt in Wiesbaden

WIESBADEN – „Der Dealer, der auf dem Schwarzmarkt Cannabis verkauft, schert sich nicht darum, wie alt der Käufer ist“, sagt Matthias Makowski. Noch vor der bundespolitischen Diskussion hat der 30-Jährige gemeinsam mit seinem Bruder im Dezember 2014 auf Facebook den „Cannabis Social Club Mainz/Wiesbaden“ (CSC) gegründet. Ein „Netzwerk von Prohibitions-Gegnern in der Umgebung“ wollen die Hanfaktivisten aufbauen.

Gefährliche Sucht: Das menschliche Gehirn ist erst Mitte 20 richtig ausgereift. Cannabis-Konsum kann in dieser Zeit schädlich wirken.

Mit dem Ziel, den Konsum und den Verkauf von Cannabis zu legalisieren, so wie es „bei Suchtmitteln wie Alkohol und Zigaretten“ bereits der Fall sei. Dann, so ist Makowski überzeugt, habe der Staat hinsichtlich des Konsums wenigstens Kontrollmöglichkeiten, um beispielsweise den Jugendschutz gewährleisten zu können.

Zahlen und Fakten

Wiesbaden als Modellstadt?

Der CSC hat deshalb bereits die Wiesbadener Rathausfraktionen angeschrieben, um für ein Modellprojekt zu werben, in dessen Rahmen Cannabis – noch vor in Kraft treten eines entsprechenden Bundesgesetzes – unter bestimmten Voraussetzungen in der Landeshauptstadt verkauft werden könnte. Doch die Politik erteilt der Idee des CSC, auf Grundlage des §3, Abs. 2, des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) aus Wiesbaden eine Modellstadt zu machen, eine Absage. „Für die Bewilligung eines solchen Projektes ist die Stadt gar nicht zuständig, sondern der Bund“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Reinhard Völker. Zudem sei es fraglich, ob ein derartiges Projekt überhaupt genehmigungsfähig wäre, da weder ein wissenschaftliches noch ein öffentliches Interesse vorliege, wenn die Vereinsmitglieder zum Eigengebrauch Cannabis anbauten, so der Politiker. Zwei Voraussetzungen, die für die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung laut § 3 BtMG vorliegen müssten.

Irreversible Hirnschäden

Experten warnen indessen vor den Gesundheitsschäden, die insbesondere durch den Cannabis-Konsum in jungen Jahren verursacht werden. „Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird der sensible Entwicklungsprozess des Gehirns, das erst Anfang, Mitte 20 voll ausgereift ist, durch den Konsum von Cannabis negativ beeinflusst“, sagt Psychologe und Psychiater Dr. Alexander Ullrich. Der 53-Jährige war jahrelang stellvertretender Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie „Eichberg“ in Eltville und ist in Wiesbaden als Gutachter vor Gericht gefragt, wenn es im Zusammenhang mit Drogen um jugendliche Straftäter geht.

„Cannabis wirkt auf das heranreifende Gehirn neurotoxisch“, sagt Ullrich. Insbesondere der Hippocampus und das Frontalhirn würden durch einen frühen Konsum irreversibel geschädigt. Gedächtnisstörungen und das Unvermögen, wichtige und weniger wichtige Informationen richtig zu filtern, können die Folge sein. Zudem könne Cannabis bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung die Erkrankung an einer schizophrenen Psychose begünstigen.

„Haben sich kaputt gekifft“

Ebenfalls skeptisch, wenn auch nicht ganz ablehnend, steht Cetim Upcin, der Leiter des Suchthilfezentrums Wiesbaden, einer Legalisierung von Cannabis gegenüber. Ähnlich wie der „Cannabis Social Club“ räumt er zwar die besseren Kontrollmöglichkeiten ein, die der Staat nach einer Legalisierung hätte, jedoch weiß der 44-Jährige auch von den Gefahren des Cannabis-Konsums. Bei über 80 Prozent der Menschen, die Upcin im Suchthilfezentrum betreue und die härtere Opiate konsumierten, sei Cannabis die Einstiegsdroge gewesen.

„Ich habe viele gesehen, die haben sich regelrecht kaputt gekifft und alles verloren – Familie, Wohnung, Job. Ich bin pessimistisch, ob eine Legalisierung wirkliche einen positiven Effekt hätte“, sagt Upcin.

Quelle: https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/aktivisten-wollen-legalisierung-von-cannabis-werben-fuer-modellprojekt-in-wiesbaden_15462975.htm

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