Allgemeine Zeitung 20.05.2015

Legalisierung von Cannabis: Aktivisten in Mainz und Wiesbaden werben für Entkriminalisierung der Droge

MAINZ – Die Bundes-FDP tritt für die Freigabe von Cannabis ein, die Grünen und die Linken haben schon lange das Thema Haschisch auf der Tagesordnung, und auch der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, hat sich kürzlich für eine regulierte, legale Abgabe der Droge ausgesprochen. Während das Thema also in der Bundespolitik für Schlagzeilen sorgt, melden sich nun Hanfaktivisten aus Mainz und Wiesbaden zu Wort.

Unter dem Arbeitstitel „Cannabis Social Club Mainz/Wiesbaden (CSC)“ wirbt die Gruppe um Sprecher Matthias S. Makowski für ein „Umdenken in der Bevölkerung“ – und in der Politik, die die Legalisierung des Cannabisanbaus für private Zwecke und den Konsum bislang mehrheitlich ablehnt.

Daten & Fakten
Cannabis als Rauschmittel ist ein Sammelbegriff für Rauschmittel, die aus Hanfsorten der Gattung Cannabis gewonnen werden.

In vielen deutschen Großstädten gebe es Initiativen, die sich für eine kontrollierte Freigabe von Cannabis einsetzen, sagt der 30-jährige Student. Aber die Landeshauptstädte von Rheinland-Pfalz und Hessen seien noch ein weißer Fleck. Mit ihrer CSC-Initiative will die Gruppe an Ständen und bei Veranstaltungen über ihre Sicht der Dinge informieren. „Natürlich soll Cannabis hierbei nicht verherrlicht oder verharmlost werden, sondern wir wollen uns auch mit den Gefahren des Konsums auseinandersetzen.“

Kriminalisierung beenden, Konsum regeln

Ziel sei es, die Illegalität des Cannabis-Verbrauchs und die damit einhergehende Kriminalisierung zu beenden und den Konsum zu regeln. „Derzeit läuft alles über einen völlig unregulierten Schwarzmarkt“, betont Makowski.

Außerdem will die Gruppe mittelfristig einen „Cannabis Social Club“ nach spanischem oder niederländischem Vorbild gründen. In diesen nicht kommerziellen Clubs wird der Anbau einer limitierten Menge von Cannabis organisiert und dort kann auch unter bestimmten Vorgaben gekifft – also geraucht – werden. In Spanien bewegen sich die Organisatoren allerdings in einer rechtlichen Grauzone. In Zürich, Genf, Basel und Bern arbeiten die Kommunen derzeit an einem Konzept zur Einrichtung von Cannabis-Clubs, das dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit zur Prüfung vorgelegt werden soll.

Ausnahmegenehmigung beantragen

Für Mainz und Wiesbaden will die CSC-Gruppe auf eine „Ausnahmegenehmigung nach § 3 Abs. 2 BtMG hinwirken“. Diese Passage aus dem Betäubungsmittelgesetz bezieht sich bislang insbesondere auf die medizinische Verwendung von Cannabisblüten, die in der Apotheke erhältlich sind. Makowski zufolge hätten die Kommunen aber durchaus die Möglichkeit, auf Grundlage dieses Gesetzes besondere Regelungen für ihre Stadt zu erlassen. Den CSC-Aktivisten schwebt dabei ein Modellprojekt vor. Dazu will die Gruppe zunächst den politischen Weg über die Stadtparlamente in Mainz und Wiesbaden beschreiten. Die Parteien seien angeschrieben worden. „Bislang hat aber nur Xander Dorn von den Mainzer Piraten reagiert.“

Die etwa 15 Personen der Mainz-Wiesbadener Gruppe seien zwischen 18 und 64 Jahre alt. Die meisten sehen Marihuana als Genussmittel, es gebe aber auch einige, die aus medizinischen Gründen Cannabis konsumieren würden. Makowski verweist darauf, dass es bundesweit geschätzt etwa vier Millionen Cannabis-Konsumenten gebe, von denen ein Großteil das Hanfprodukt als reines Genussmittel sehen würden. Die gesundheitlichen Gefahren seien gering, sagt Makowski. Ähnlich wie beim Alkohol oder beim Tabakrauchen sollten die Menschen in Deutschland daher selbst darüber entscheiden können, ob sie sich diesen Risiken aussetzen, meint der CSC-Aktivist.

Quelle: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/legalisierung-von-cannabis-aktivisten-in-mainz-und-wiesbaden-werben-fuer-entkriminalisierung-der-droge_15425010.htm

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